1. Mrz, 2018

Höflichkeit beruht auf Misstrauen!

In verschiedenen Kulturen haben sich verschiedene Formen des Grußes entwickelt. Was mich bei meinen Recherchearbeiten aber wirklich erstaunte war, dass viele Formen des Grüßens ursprünglich auf Misstrauen begründet sind und somit eine Vorsichtsmaßnahme dargestellt haben und eigentlich nur wenig mit Höflichkeit zu tun hatten.

In Europa z.B. hat man früher enge Kleidung getragen. Man konnte also leicht sehen, wo die Waffen getragen wurden. Man gab sich früher nicht die Hände, wie wir es heute tun, sondern man fasste sich gegenseitig am Unterarm, um damit die Kraft und den Trainingszustand seines Gegenübers abzuschätzen. Daraus entwickelte sich erst viel später der bei uns gebräuchliche Händedruck.

Zur Zeit der Ritter, wurde das Visier angehoben um sich zu erkennen zu geben. Daraus entstand später das Salutieren beim Militär.

Ja sogar das Zuprosten beim Trinken beruht auf Misstrauen. Heute berühren wir unsere Gläser nur leicht, damit es einen schönen klang hat. Früher Schlug man mit den Krügen feste zusammen, damit der Inhalt der einzelnen Krüge auf die anderen überschwappte. Das hielt den einzelnen davon ab, einen Trinkbecher zu vergiften, denn durch das überschwappen verteilte sich das Gift auf alle Becher - Was für eine geniale Vorsichtsmaßnahme, also Prost!!!

In den arabischen Ländern wurde weite Kleidung getragen, die Waffen konnten heimlich mitgeführt werden und waren nur schwer zu entdecken. Man umarmte sich gegenseitig und konnte sich gleichzeitig gegenseitig nach Waffen abtasten¸ weshalb auch heute noch die Umarmung in vielen Ländern gebräuchlich ist.

In Asien ging man auf Nummer sicher und hielt einen Sicherheitsabstand ein, indem man sich auf sicherer Entfernung gegenseitig verbeugte und sein Gegenüber stets mit Aufmerksamkeit beobachtete. Auch heute noch ist die Verbeugung die gebräuchlichste Art des Grußes und der Respektsbezeugung in Asien.

Dies hat auch Einzug in die japanischen Kampfkünste gefunden. Erstmals erwähnt wurde die Einführung von Rituellen Umgangsformen in den Kampfkünsten in der Zeit der Kamakura-Periode (1185-1333). Ogasawara Nagakiyo (1162-1242) ein Gefolgsmann des Fürsten Minamoto Yoritomo (1147-1199), führte diese Umgangsformen beim Bogenschießen und in der Reitkunst ein. Später wurden diese Bräuche auch im Schwertkampf der Samurai übernommen und erst im 20. Jahrhundert, nachdem Karate von Okinawa nach Japan gebracht wurde, fanden sie auch Eingang in die Kunst des Karate.

Erst viel später wurde, durch den Einfluss des Zen-Buddhismus aus der Verbeugung eine Übung zur Schulung der eigenen Geisteshaltung.

Somit hat sich der Gruß von einem Akt des Misstrauens zu einer Übung der Geisteshaltung entwickelt. Aus Feindschaft wurde Freundschaft, aus Yin wurde Yang!