25. Jan, 2017

Die aufrechte Körperhaltung

Ist euch schon einmal aufgefallen, das im Karate sehr viel Wert auf eine aufrechte Körperhaltung gelegt wird. Anders als viel andere Kampfsportarten, die eine leicht vorgebeugte bzw. geduckte Haltung bevorzugen, steht man im Karate größtenteils aufrecht da.

Dies hat, so wie alles in der Kampfkunst seine Gründe. Ich möchte hier auf nur ein paar davon eingehen:

1.      Eine gerade aufrechte Körperhaltung ist wichtig für unsere Gesundheit. Durch eine falsche Körperhaltung entstehen Haltungsschäden, die zu Beschwerden und Schmerzen führen können. Unser Alltag hat sich dahingehend verändert, dass viele von uns den Großteil des Tages in einer sitzenden Haltung verbringen. Dadurch werden einige Muskeln abgeschwächt, andere wiederum verkürzt. Ebenso werden durch die gebückte Haltung, die inneren Organe zusammengedrückt, wodurch sie nicht optimal arbeiten können. Die Übung der aufrechten Körperhaltung kann viele Beschwerden verhindern und ist demnach ein wesentlicher Beitrag für die eigene Gesundheit.

2.      Gemäß der Lehre der TCM (traditioneller chinesischer Medizin) besteht das Universum aus Yin und Yang. Yin ist die Erde, Yang ist der Himmel. Wir Menschen wandeln zwischen Himmel und Erde und haben demnach sowohl die Energie des Yin, als auch die des Yang in uns. Mit der Erde sind wir ständig verbunden, vor allem über die Punkte Yong-quan (Niere 1) und Hui-yin (Renmai 1). Der wichtigste Verbindungspunkt zur Energie des Himmels ist Bai-hui (Dumai 20), der sich bei aufrechter Körperhaltung am höchsten Punkt des Schädels befindet. Nur wenn der Körper ausgerichtet ist, zeigt dieser Punkt gerade nach oben und kann seine optimale Energieverbindung entfalten. Bei einer gekrümmten Körperhaltung zeigt Bai-hui nur schräg nach oben und kann somit weniger Yang-Energie aufnehmen. Die Folge davon ist, dass der Körper mehr Yin-Energie aus der Erde aufnimmt und weniger Yang-Energie. Es entsteht ein Ungleichgewicht und die Yin-Energie zieht den Körper noch weiter zusammen.

3.      Ein universelles Gesetz lautet „Wie innen, so außen“. Die äußere Haltung wirkt sich demnach auf unsere innere Haltung aus und umgekehrt. Eine aufrechte Körperhaltung beeinflusst auch eine aufrichtige Lebenshaltung. Nicht umsonst gibt es eine direkte Verbindung der Wörter „aufrichten“ und „aufrichtig sein“. Durch die äußere aufrechte Haltung üben wir uns auch in der Umsetzung eines der Karate-Dojokun, welches heißt „Sei aufrichtig in deinem Tun“.

Wenn wir im Karate in der Ausgangsstellung stehen (z.B. beim Kommando „Yoi“ oder „Yame“), so ist dies nicht nur eine Position, wo wir lediglich warten, auf das was kommt, sondern es ist bereits eine Übung, die sowohl den Körper, die Energie und den Geist trainiert.