14. Aug, 2018

Die meisten Karate-Schulen schließen über die Sommerferien, denn die Ferien sind dazu da, um zu verreisen und um sich zu erholen. Auch dem Karate-Übenden schadet eine kleine Pause nicht und ist durchaus in Ordnung. Sowohl der Körper, als auch der Geist brauchen immer wieder Phasen der Erholung. Nur so kann das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang aufrechterhalten werden.

 

Jedoch sollte diese Pause nicht zu lange dauern. Denn der berühmte Karate Meister Gichin Funakoshi (1868-1956) sagte bereits:

 

„Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn man es nicht ständig erwärmt“.

 

Ich selbst betreibe Karate seit vielen Jahren und kann dem nur voll beipflichten. In diesen vergangenen Jahren, habe ich die meiste Zeit trainiert, aber auch mit verschiedensten Trainingspausen experimentiert. Die Erkenntnis die ich daraus gewonnen habe ist, dass eine Trainingsunterbrechung für mich persönlich nicht länger als 1-2 Wochen dauern darf, denn ich bemerke an mir selbst, dass bereits nach 1 Woche des Nichtstuns, das Gefühl für meine Technik merklich nachlässt, das Wasser sozusagen abzukühlen beginnt.

Das wichtigste beim Karate ist also regelmäßig zu trainieren, und selbst in den Ferien, wenn es vielleicht kein offizielles Training im Dojo gibt, sollte man zumindest alle 1-2 Wochen ein leichtes Training absolvieren, damit das Wasser nicht ganz abkühlt, sondern zumindest lauwarm bleibt.

Kaltes Wasser zu erwärmen kostet viel mehr Energie, als warmes Wasser zum Kochen zu bringen.

1. Mrz, 2018

In verschiedenen Kulturen haben sich verschiedene Formen des Grußes entwickelt. Was mich bei meinen Recherchearbeiten aber wirklich erstaunte war, dass viele Formen des Grüßens ursprünglich auf Misstrauen begründet sind und somit eine Vorsichtsmaßnahme dargestellt haben und eigentlich nur wenig mit Höflichkeit zu tun hatten.

In Europa z.B. hat man früher enge Kleidung getragen. Man konnte also leicht sehen, wo die Waffen getragen wurden. Man gab sich früher nicht die Hände, wie wir es heute tun, sondern man fasste sich gegenseitig am Unterarm, um damit die Kraft und den Trainingszustand seines Gegenübers abzuschätzen. Daraus entwickelte sich erst viel später der bei uns gebräuchliche Händedruck.

Zur Zeit der Ritter, wurde das Visier angehoben um sich zu erkennen zu geben. Daraus entstand später das Salutieren beim Militär.

Ja sogar das Zuprosten beim Trinken beruht auf Misstrauen. Heute berühren wir unsere Gläser nur leicht, damit es einen schönen klang hat. Früher Schlug man mit den Krügen feste zusammen, damit der Inhalt der einzelnen Krüge auf die anderen überschwappte. Das hielt den einzelnen davon ab, einen Trinkbecher zu vergiften, denn durch das überschwappen verteilte sich das Gift auf alle Becher - Was für eine geniale Vorsichtsmaßnahme, also Prost!!!

In den arabischen Ländern wurde weite Kleidung getragen, die Waffen konnten heimlich mitgeführt werden und waren nur schwer zu entdecken. Man umarmte sich gegenseitig und konnte sich gleichzeitig gegenseitig nach Waffen abtasten¸ weshalb auch heute noch die Umarmung in vielen Ländern gebräuchlich ist.

In Asien ging man auf Nummer sicher und hielt einen Sicherheitsabstand ein, indem man sich auf sicherer Entfernung gegenseitig verbeugte und sein Gegenüber stets mit Aufmerksamkeit beobachtete. Auch heute noch ist die Verbeugung die gebräuchlichste Art des Grußes und der Respektsbezeugung in Asien.

Dies hat auch Einzug in die japanischen Kampfkünste gefunden. Erstmals erwähnt wurde die Einführung von Rituellen Umgangsformen in den Kampfkünsten in der Zeit der Kamakura-Periode (1185-1333). Ogasawara Nagakiyo (1162-1242) ein Gefolgsmann des Fürsten Minamoto Yoritomo (1147-1199), führte diese Umgangsformen beim Bogenschießen und in der Reitkunst ein. Später wurden diese Bräuche auch im Schwertkampf der Samurai übernommen und erst im 20. Jahrhundert, nachdem Karate von Okinawa nach Japan gebracht wurde, fanden sie auch Eingang in die Kunst des Karate.

Erst viel später wurde, durch den Einfluss des Zen-Buddhismus aus der Verbeugung eine Übung zur Schulung der eigenen Geisteshaltung.

Somit hat sich der Gruß von einem Akt des Misstrauens zu einer Übung der Geisteshaltung entwickelt. Aus Feindschaft wurde Freundschaft, aus Yin wurde Yang!

25. Jan, 2018

In den klassischen Kampfkünsten wurde seit jeher sehr viel Wert auf die Verhaltensregeln der Schüler gelegt. Dies zog sich gemeinsam mit der Entwicklung der Kampfkunst von Indien über China bis nach Okinawa und Japan. Auch wir im Westen haben die Rituale der Asiatischen Kultur im Karate mit übernommen, indem wir die Verbeugungen beim Training ausführen und die Verhaltensregeln der Japaner angenommen haben. Vor allem aber durch die Versportlichung der Kampfkünste müssen die klassischen Verhaltensregel oft den modernen Wettkampfregeln weichen. Es stellt sich also die Frage, ob die Verhaltensregeln (Budo Etikette) noch zeitgemäß sind, oder ob wir sie nicht einfach weglassen können?

Wir tragen im Karate grundsätzlich einen weißen Karate-Gi (Anzug) mit einem Gürtel in der entsprechenden Farbe. Beim Gürtelbinden wird immer sehr viel Wert daraufgelegt, dass die beiden Enden des Gürtels gleich lange herunterhängen. Dies ist nicht nur, damit es ordentlich ausschaut, sondern aus philosophischer Sicht repräsentieren diese beiden Enden den äußeren und den inneren Weg des Übenden. Der äußere Weg besteht aus dem Erlernen der Techniken, Katas, Kampfübungen usw. Darüber hinaus gibt es aber auch einen inneren Weg, der sich mit der charakterlichen Entwicklung des Schülers beschäftigt. Widmen wir uns nur dem äußeren Weg (Techniken), so entsteht Gewalt ohne Kontrolle. Richten wir unser Augenmerk ausschließlich auf den inneren Weg, werden wir zu Philosophen, die nichts bewirken können. Die beiden Enden des Gürtels müssen deshalb gleich lang sein, weil sowohl dem äußeren, als auch dem inneren Weg die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Vernachlässigen wir einen Bereich, erhalten wir auch nur die Hälfte von dem, was uns Karate-do tatsächlich bieten könnte, nämlich ein ganzheitliches Entwicklungssystem für Körper und Geist.

Die Grundlage für den inneren Weg stellt die Budo-Etikette dar. Sie ist bei vielen Schülern nicht sehr beliebt, erinnern sie einen doch ständig an die eigenen Schwächen und Nachlässigkeiten. Sie sind aber auch ein hervorragendes Trainingsinstrument, um sich selbst als Person weiterzuentwickeln. Durch die Einhaltung der Budo-Etikette lernen wir, wichtige Eigenschaften, die nicht nur für das Karate, sondern auch für unser tägliches Leben von Bedeutung sind, wie z.B.

1.      Schulung von Sozialen Fähigkeiten

  • Zuverlässigkeit
  • Respekt
  • Rücksichtnahme
  • Anpassungsfähigkeit
  • Höflichkeit
  • Hilfsbereitschaft

2.      Schulung von Erfolgseigenschaften

  • Eigendisziplin
  • Konzentration
  • Ausgeglichenheit
  • Bereitschaft zu Lernen

Große Persönlichkeiten der Kampfkunstgeschichte, sei es nun Boddhidarma, YueYuan, Shungo Sakugawa, Sokon Matsumura, Chotoku Kyan, Gichin Funakoshi, Kenwa Mabuni usw. haben uns jeweils Verhaltensregeln für die innere Entwicklung des Übenden hinterlassen.

Oft werden die Regeln nur eingehalten, wenn der Lehrer anwesend ist und die Schüler ständig dazu ermahnt. Der innere Weg muss aber genauso geübt werden, wie der äußere Weg, daher sollten diese Regeln auch eingehalten werden, wenn man alleine trainiert.

Es geht bei der Budo-Etikette nicht darum, japanische Verhaltensweisen nachzuahmen, sondern es geht ausschließlich um die eigene persönliche Entwicklung.

 

„Tradition bedeutet nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“

Marc Aurel

17. Okt, 2017

Die Roll- und Falltechniken spielen im Karate eine ebenso große Rolle, wie in anderen Kampfkünsten. Oft wird die Fallschule von vielen Karatekas vernachlässigt, aber das klassische Karate-do beinhaltet viele Wurftechniken, als auch Techniken des Bodenkampfes. Als Grundlage dafür ist eine gute Falltechnik absolut notwendig.

Aber das Fallen ist nicht nur für den Kampfsport an sich wichtig, sondern dient auch im Alltag als Schutz vor Verletzungen. Wer weiß wie man richtig hinfällt, kann viele Schmerzen und Verletzungen vermeiden.

Die Falltechniken vermitteln aber auch noch eine ganz andere Lektion, die für unser tägliches Leben ebenfalls entscheidend ist.

Immer wenn wir im Training hinfallen oder geworfen werden, müssen wir anschließend wieder aufstehen und weitermachen. Liegenzubleiben ist im Training keine Option. Aufstehen und Weitermachen immer und immer wieder, lautet die Devise.

Warum bleiben wir in Alltagssituationen aber oft liegen, wenn uns das Leben einen Niederschlag verpasst? Fehler, Enttäuschungen, Niederlagen gehören zu uns und sind ein Teil unseres Lebensweges und Lernweges. Oft geben wir danach einfach auf, bleiben liegen und wenden uns einer anderen Sache zu. Doch das Leben besteht nun einmal aus Yin und Yang, aus Höhen und Tiefen.

Im Kampfsport lernen wir immer wieder aufzustehen und weiterzumachen und dass sollten wir auch in unser Leben übertragen, denn Gichin Funakoshi hat bereits in seinen „Shoto-nijukun“ gesagt: „Karate findet nicht nur im Dojo statt“. Die Lektionen, die wir im Training lernen, können und sollen wir in unser Alltagsleben übertragen und wir werden Karate nicht nur als Kampf- und Selbstverteidigungsmethode erfahren, sondern auch als einen Weg des Lebens.

Ausdauer und Durchhaltevermögen sind für den Weg des Karate eine absolute Notwendigkeit, denn es wird immer wieder Situationen geben, wo wir enttäuscht sind, keine Motivation haben und ans Aufhören denken. Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis: „Jeder denkt irgendwann ans Aufgeben!“. Die Kunst besteht darin, es aber nicht zu tun, sondern einfach Weiterzumachen. Egal was dir wiederfährt, wenn du eine Gürtelprüfung nicht bestehst, einen Rückschlag im Berufsleben erfährst oder Enttäuschungen erlebst. Immer wenn du hinfällst, dann mache ein paar Liegestütze, da du ja sowieso schon unten bist, und dann komme gestärkt zurück. Klopf dir den Staub ab, richte dir dein Krönchen und weiter geht‘s. Gib niemals auf – Stehe immer wieder auf!

25. Jan, 2017

Ist euch schon einmal aufgefallen, das im Karate sehr viel Wert auf eine aufrechte Körperhaltung gelegt wird. Anders als viel andere Kampfsportarten, die eine leicht vorgebeugte bzw. geduckte Haltung bevorzugen, steht man im Karate größtenteils aufrecht da.

Dies hat, so wie alles in der Kampfkunst seine Gründe. Ich möchte hier auf nur ein paar davon eingehen:

1.      Eine gerade aufrechte Körperhaltung ist wichtig für unsere Gesundheit. Durch eine falsche Körperhaltung entstehen Haltungsschäden, die zu Beschwerden und Schmerzen führen können. Unser Alltag hat sich dahingehend verändert, dass viele von uns den Großteil des Tages in einer sitzenden Haltung verbringen. Dadurch werden einige Muskeln abgeschwächt, andere wiederum verkürzt. Ebenso werden durch die gebückte Haltung, die inneren Organe zusammengedrückt, wodurch sie nicht optimal arbeiten können. Die Übung der aufrechten Körperhaltung kann viele Beschwerden verhindern und ist demnach ein wesentlicher Beitrag für die eigene Gesundheit.

2.      Gemäß der Lehre der TCM (traditioneller chinesischer Medizin) besteht das Universum aus Yin und Yang. Yin ist die Erde, Yang ist der Himmel. Wir Menschen wandeln zwischen Himmel und Erde und haben demnach sowohl die Energie des Yin, als auch die des Yang in uns. Mit der Erde sind wir ständig verbunden, vor allem über die Punkte Yong-quan (Niere 1) und Hui-yin (Renmai 1). Der wichtigste Verbindungspunkt zur Energie des Himmels ist Bai-hui (Dumai 20), der sich bei aufrechter Körperhaltung am höchsten Punkt des Schädels befindet. Nur wenn der Körper ausgerichtet ist, zeigt dieser Punkt gerade nach oben und kann seine optimale Energieverbindung entfalten. Bei einer gekrümmten Körperhaltung zeigt Bai-hui nur schräg nach oben und kann somit weniger Yang-Energie aufnehmen. Die Folge davon ist, dass der Körper mehr Yin-Energie aus der Erde aufnimmt und weniger Yang-Energie. Es entsteht ein Ungleichgewicht und die Yin-Energie zieht den Körper noch weiter zusammen.

3.      Ein universelles Gesetz lautet „Wie innen, so außen“. Die äußere Haltung wirkt sich demnach auf unsere innere Haltung aus und umgekehrt. Eine aufrechte Körperhaltung beeinflusst auch eine aufrichtige Lebenshaltung. Nicht umsonst gibt es eine direkte Verbindung der Wörter „aufrichten“ und „aufrichtig sein“. Durch die äußere aufrechte Haltung üben wir uns auch in der Umsetzung eines der Karate-Dojokun, welches heißt „Sei aufrichtig in deinem Tun“.

Wenn wir im Karate in der Ausgangsstellung stehen (z.B. beim Kommando „Yoi“ oder „Yame“), so ist dies nicht nur eine Position, wo wir lediglich warten, auf das was kommt, sondern es ist bereits eine Übung, die sowohl den Körper, die Energie und den Geist trainiert.